Wohnheim Riggisberg
Das Wohnheim Riggisberg gehört zu jenen im 19. Jh. Anstalt genannten Sozialinstitutionen, die damals in ehemaligen Herrschaftssitzen untergebracht wurden, weil grosse Volumen nach einer neuen Nutzung riefen. Meist erwiesen sich die Altbauten letztlich als ungeeignet, erforderten zahlreiche Ergänzungsvolumen und führten durch die Wachstumsprozesse zu heterogenen Siedlungen.
Das Siegerprojekt des Wettbewerbs 2005 zum Neubau eines Werkhauses, das 2006/2007 ausgeführt wurde, sah den Ersatz des verbauten Vorgängerbaus an anderer Stelle vor. Der straffe, 85 m lange, einfache Baukörper unter Pultdach ist als dezidierte Geste im Süden des Heimareals platziert, wo Ökonomiebauten die Wohnbauten ablösen. Mit diesem Gewicht entstand parallel zur Achse des barocken Schlossgartens eine neue Hauptachse des Heimes. Dank leichtem Ausdrehen bildet der Neubau ein Tor zur anschliessenden spektakulären Landschaftskammer. Mit seiner ruhigen repetitiven Holzfassadierung trägt der Betonskelettbau Züge ländlicher Gewerbebauten und bietet Arbeitsräume von hoher Qualität für die Heimbewohner.
Mit der Preisgabe des alten Werkhauses wurde der Raum frei, an der neuen Hauptachse ein Empfangs- und Verwaltungsgebäude zu errichten. Statt sich mit der Übernahme von Alignementen unterzuordnen, ist das Prisma des Neubaus auf quadratnahem Grundriss so in die Hauptachse vorgeschoben, dass dessen aufgeschnittene und überdeckte Nordostecke unmissverständlich die Anlaufstelle im weitläufigen Areal kennzeichnet. Die Grundform des Baukörpers ist auch in der Bedeutung der zentralen Hallen beider Geschosse begründet, die Zugang zu allen Räumen gewähren. Sie enthalten die frei in den Raum gestellte Treppe, sind aber in erster Linie Empfangsraum auch für interne Besucher, die das Obergeschoss direkt über eine bequeme Rampe von den inneren Wegen erreichen. Das statische System übernimmt das Prinzip des Werkhauses, die Fassaden zeigen aber eine geglättete Lärchenholzverschalung und leben von der Ruhe gleichförmiger und gleichmässig verteilter Hochrechteckfenster. Lichtfänger für Halle und Sondernutzungen sind als Erker der Fassade vorgesetzt und durchbrechen das Dachgesims, das ein Merkmal der Heimbauten wiederaufnimmt.
Diese zweigeschossigen Langhäuser aus den 50er- Jahren, noch lange nicht am Ende ihrer Lebenserwartung, waren in Etappen den neuen Wohnformen
und -bedürfnissen anzupassen; lichtdurchflutete Aufenthaltsräume konnten ausgestanzt und Veranden vorgesetzt, Sanitäranlagen und Bauphysik verbessert werden. Die dörfliche, wohnliche Atmosphäre des Heims für 260 Menschen ist gesteigert worden. Dazu trägt die sensible, aber ungekünstelte Landschaftsarchitektur von David Bosshard entscheidend bei.
Bauherrschaft: Wohnheim Riggisberg
Studienauftrag 2005
Realisierung 2006 – 2014, in Etappen